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Bibelhandschriften im Großformat

Neuerschienene Handschriftenkataloge, Teil II: Regina Hausmann, Codices biblici in Folio

Frisch erschienen ist ein Katalog mit wissenschaftlichen Beschreibungen von 88 Bibelhandschriften. Sie stammen aus dem Fonds der ‚Codices biblici‘ im Folioformat der ehemaligen Herzoglich Öffentlichen Bibliothek in Stuttgart.

Der Begriff „Bibeln“ ist dabei weit gefasst: Den größten Teil machen Voll- und Teilbibeln aus sowie Zusammenstellungen einzelner Bibeltexte, wie sie beispielsweise in Evangelistaren, Lektionaren und Psalterien begegnen. Unter den Handschriften, die für die christliche Liturgie verwendet wurden, sind unter anderem Antiphonare, Missale, Breviere und weitere vorhanden. Darüber hinaus finden sich weitere Gattungen, wie etwa Bibelkommentare und Beispiele von Bibeldichtung. Als besonders ungewöhnlich ist hier ein Stück aus dem Jahr 1725 zu nennen, das Szenen des Alten und Neuen Testaments in Form von Scherenschnitten wiedergibt (Cod. bibl. 2° 89).

Der überwiegende Teil der Handschriften stammt aus dem Mittelalter. Insgesamt deckt der Bestand jedoch eine Zeitspanne von mehr als 1000 Jahren ab: Der früheste Band entstand im 8., der jüngste im 19. Jahrhundert. Die meisten Manuskripte sind in lateinischer Sprache verfasst. Desweiteren sind Handschriften in französischer, spanischer, deutscher und hebräischer Sprache sowie eine polyglotte Bibelausgabe vertreten. Zu den prominentesten Stücken zählen die bilderreichste Handschrift aus karolingischer Zeit, der ‚Stuttgarter Psalter‘ (Cod. bibl. 2° 23), das dreibändige Zwiefaltener Passionale aus dem 12. Jahrhundert (Cod. bibl. 56-58) sowie der ‚Comburger Psalter‘ mit seinem bestens erhaltenen Hornplatteneinband aus dem 13. Jahrhundert (Cod. bibl. 2° 46). Bemerkenswert ist zudem eine mit prachtvoller Buchmalerei ausgestattete Bible historiale (Cod. bibl. 2° 6), die im 14. Jahrhundert in Paris entstand.

Viele Handschriften kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation aus dem Benediktinerkloster Zwiefalten an die Öffentliche Bibliothek Stuttgart. Weitere Bände wurden von Herzog Karl Eugen von Württemberg erworben. Die Wege der übrigen Handschriften an die WLB waren vielfältig und sind zu einem beträchtlichen Teil heute nicht mehr nachvollziehbar.

Die lateinischen Handschriften wurden von Dr. Regina Hausmann erschlossen. Die Beschreibungen der anderssprachigen Manuskripte stammen zum größten Teil von Dr. Carsten Kottmann. Die drei hebräischen Handschriften – eine Ester-Rolle und zwei Codices der hebräischen Thora mit weiteren Texten – wurden von Dr. Kerstin Losert beschrieben.

Bilder:
links: Cod. bibl. 2° 89, Bl. VII: Scherenschnitt-Bibel, 1725 (Beginn des Neuen Testaments)
mitte: Cod. bibl. 2° 23, Bl. 8v: Stuttgarter Psalter, 9. Jh.
rechts: Cod. bibl. 2° 6, Bl. 5v: Bible historiale, 14. Jh. (Erschaffung der Welt)

Bibliographische Angabe:
Die Handschriften der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart,
Erste Reihe, Vierter Band: Codices biblici in Folio (Cod. bibl. 2° 1 – 90), beschrieben von Regina Hausmann, Wiesbaden 2026.
Link zur Verlagsinformation: https://www.harrassowitz-verlag.de/title_9207.ahtml

Vorankündigung:
Informationen zu einem weiteren neu erschienenen Handschriftenkatalog folgen in Kürze: Katalog der „Musikhandschriften der zweiten Reihe“ in der Württembergischen Landesbibliothek. Thematischer Katalog, beschrieben von Helmut Lauterwasser, München und Frankfurt a. M. 2026.