
Mit Gold und Seide – Restaurierung eines Erbauungsbuchs
Teil III: Bundanlängung und Deckelbefestigung
Der Einband des Buchs war stark beschädigt und hatte seine zentrale Funktion, den Buchblock und damit den Inhalt des Buchs zu schützen, verloren. Der Vorderdeckel war vom Buchblock abgerissen, das originale Textil und die historische Hinterklebung im Falz gerissen und alle fünf Schnurbünde gebrochen. Gemeinsam mit Catrin Schuster und Aribah Khan von der WLB haben wir ein Restaurierungsziel entwickelt, das den Erhalt der prominenten Nutzungsspuren berücksichtigt. Dabei wollten wir möglichst minimalinvasiv arbeitend die mechanischen Funktionen des Einbands wiederherstellen.
Um den losen Deckel des kleinformatigen Buchs (15,9 x 7,4 x 3,5 cm) wieder anzufügen, suchten wir eine möglichst unauffällige und doch stabile Reparatur der gebrochenen Bünde in der vorhandenen Struktur. Inspiriert von der Technik der Einzelfadenverklebung aus der Gemälderestaurierung überbrückten wir die Bruchstellen zwischen den Bundenden am Buchblockrücken und dem Deckel, indem wir dort Flachsfasern einarbeiteten. Dafür wurde eine Heftkordel in feine Faserbündel aufgeteilt, deren eines Ende mit Stärkekleister versteift wurde. Diese Spitzen wurden mit einem Leim in die Bundenden am Buchblock eingeschoben. Ergänzend wurden weitere Fasern um den Bund herum verklebt, sodass der neue Faserstrang sicher verankert war. Um den losen Deckel wieder anzusetzen, wurden die Enden dieser Faserstränge zwischen den Spiegel und die Deckelpappe geklebt, wo sich auch die herstellungszeitlichen Bundenden befinden. Um das Ablösen der neu verklebten Fasern am Bund zu verhindern, wurden diese zusätzlich mit einem dünnen Japanpapier überklebt, welches farblich angepasst wurde. Im Buchblockinneren wurden die beschädigten Falzbereiche mit Japanpapier überklebt, um auch diesen Bereich zu stabilisieren. Insgesamt konnte so mit minimalen Eingriffen der Buchdeckel am Buchblock befestigt werden, sodass der Einband wieder seine Schutzfunktion erfüllt und eine sachgemäße Nutzung möglich ist.

